
Flucht
Besondere Aktionen

2012 Mit dem Integrationsprojekt „Kerpen boxt fair“ haben es die Jugendlichen in Kerpen bis ins Rathaus geschafft. In einer großen Sitzung hörten sich die Politiker*innen die Erkenntnisse derJugendlichen an.

2015 Sprachprojekt „WIR SIND HIER“ – Grundschule, Realschule und Flüchtlingsklasse sammelten Sprichwörter aus ihrem Land und trugen sie in beiden Sprachen vor. Ein Film entstand

2015 Weltkindertag: Das längste Willkommensplakat entsteht – mehr als 20 Meter malen Kinder ihre guten Wünschen auf das Transparent.

2016 Der Kongress der geflüchteten Jugendlichen. Es war, da waren sich auch Politik und Medien einig, eine herausragende Leistung der gerade Angekommenen. Der Film
Der Kongress
Kongress der geflüchteten Jugendlichen
05/2016
Geflüchtete Jugendliche erforschen in einem Kongress ihre Zukunft
In unzähligen Kongressen und Tagungen zerbrechen sich Expert*innen den Kopf über diese Jugendlichen. Aber sie, die Jugendlichen, sind die eigentlichen Expert:innen, weil sie Erfahrungen gemacht haben und mitbringen, die wir nicht haben. Sie haben in der Heimat und unterwegs schreckliche Situationen erleben müssen, haben alles verloren und wurden in eine völlig fremde Umgebung gestoßen.
Das FRIEDENSBAND-Team bestand aus Günter Haverkamp und Thalia Tissen (Idee und Moderation) und Jasmin Malonde, Klara Stein, Tanja Stöffken.
Am 03. Mai 2016 fand von 08.00 bis 13.00 Uhr der Kongress geflüchteter Jugendlichen in der Aula der Gemeinschaftshauptschule Dumont-Lindemann-Schule in Düsseldorf statt. Beteiligt waren die zwei Klassen SE 1 und SE 3 (SE= Seiteneinsteiger) in denen jeweils etwa 15 Jugendliche aus verschiedenen Ländern (Syrien, Afghanistan, Armenien, Irak, Mazedonien, Polen u.a.) auf den Regelunterricht vorbereitet werden.
Zusammen mit den zugewanderten Jugendlichen der Klassen SE1 und SE3 hatten wir zuvor Themen im Projekt „Zukunft – eine Falle“ erarbeitet, die den Jugendlichen und unserer Gesellschaft auf den Nägeln brennen.
Dieser Kongress sollte die Jugendlichen anstoßen, nach dem Spruch „Leben und leben lassen“ ihre aktuelle Situation und ihre Zukunft zu erfassen. Im Mittelpunkt steht wie bei fast allen Projekten von FRIEDENSBAND die Meinungswand: Aus einer 50-Meter-Papierrolle (61 cm breit) wird ein mehrere Meter großes Stück geschnitten und zusammen mit dicken Filzschreibern auf den Boden gelegt. Das hat Aufforderungscharakter, dem sich die Jugendlichen kaum entziehen können.
Das Video
Der Kongress wurde begleitet vom Filmemacher Christian Deckert. Für seine behutsame, sich nie einmischende Filmarbeit, aber auch für seine Tipps inhaltlicher Art herzlichen Dank! Sein Video gibt die Atmosphäre sehr gut wieder: Das Video zum Kongress, gedreht von Christian Dechert
Schritt 1: Was ist Freiheit?
Wir wollten die Jugendlichen dort abholen, wo sie gerade den größten Vorteil ihrer jetzigen Situation sehen: In Freiheit und Sicherheit leben zu können
Im Stuhlkreis sitzen die 30 Jugendlichen. In der Mitte liegt die Meinungswand mit einem Piktogramm in der Mitte: Ein Mann auf einem Gipfel breitet in großer Geste seine Arme aus. Ein starkes Freiheitsgefühl liegt in diesem Bild.
Den Jugendlichen sagen wir dazu: „Freiheit endet dort, wo sie einem anderen diese wegnimmt. Was passiert, wenn ich meine Arme weit ausbreite wie der Mann auf dem Piktogramm?“ Prompt ahmt ein Mädchen das nach, zum Entsetzen ihrer Nachbarn, die plötzlich ihre Arme vor dem Gesicht haben. Jeder versteht dieses Bild. Andere machen das nach. Sie spüren, das falsch verstandene Freiheit die Unfreiheit des Nachbarns sein kann.
Nun stürzen sich die Jugendlichen auf die Meinungswand und schreiben ihre Assoziationen zu FREIHEIT auf. „Keine Angst haben müssen“ – „Respekt“ – „Glück“ – „Sein Leben leben“ – „Schule“ – „Eigene Meinung“ – „Reisen“. Die einzelnen Stichworte werden intensiv besprochen.
Bei der Nachbesprechung ist den Jugendlichen besonders das Wort „Respekt“ und „Sein Leben leben“
Schritt 2: Was ist Gastfreundsachaft?
In ihren Herkunftsländern ist die Gastfreunschaft eine besondere Verpflichtung. Deswegen knüpfen wir die Überlegungen über ihre Zukunft an diese Tradition.
In einem Sketch testen die Jugendlichen zwei Situationen aus: Einmal sind es die Gastgeber, denen die Gäste das Leben schwer machen und ein anderes Mal die Gäste, die von den Gastgebern schlecht behandelt werden.
Alle schauen gebannt zu, was da auf der Bühne der Aula stattfindet und darüber wird hinterher auch sehr intensiv diskutiert.
Schritt 3: Welche Vorurteile haben wir?
Wir alle haben Vorurteile. Dabei sind einige, über die man lachen kann, andere, über die man sich ärgern kann. Könnt ihr über uns, die Deutschen lachen? Welche Vorurteile kennt ihr, vielleicht auch euch selbst gegenüber?
Auf der Meinungswand kommt einiges zusammen: „Mädchen sind intelligent – Jungs sind dumm“ schreibt ein Mädchen. Prompt steht ein Junge auf und dreht den Satz mit Pfeilen um – heftige Reaktionen bei den Mädchen! – „Alle Männer sind alle gleich“ – „Aggressive Männer“ kommt von den Mädchen. Aber auch: „Flüchtlinge wollen nur unser Geld“ – „Deutsche sind pünktlich“ – „Polen klauen“. Es machte den Jugendlichen großen Spaß, die Rollen zu verdrehen, sich selbst zu verunglimpfen und darüber zu lachen.
Schritt 4: Der weiße Ritter
Frage an die Jugendlichen, ob sie in ihrer Kultur auch eine Figur kennen, die für das Gute steht. So wie der tapfere weiße Ritter, der die Frauen schützt und den Armen hilft und Unrecht bekämpft. Alle kannten eine solche Gestalt aus ihrer Kindheit.
Die Vorstellung, im Zweifelsfall an dieses Ideal anzuknüpfen, wenn sie in der neuen Welt nicht genau wissen, was gut ist und was nicht, gefiel den Jugendlichen.
Schritt 5: Fußstapfen
Zur Auflockerung malten die Jugendlichen zwischendurch Fußstapfen aus, die den Weg symbolisieren sollten, den sie in ihrer Herkunftsgesellschaft bereits zurückgelegt haben, den des Weges zu uns und den natürlich, den sie noch in unserer Gesellschaft vor sich haben.
Das wurde ein spannender Prozess, der mehr Zeit in Anspruch nahm, als gedacht. Die Jugendlichen waren sehr mit ihren Fußstapfen und dem Weg, den ihre Füße genommen haben beschäftigt.
1. Arbeitsgruppe „Frauenrechte“
Eine reine Mädchengruppe sollte sich mit den Rechten beschäftigen, die sich in Deutschland erhoffen
Diese Arbeitsgruppe bestand aus neun Mädchen. Sie sollten die Gelegenheit haben, sich ungestört mit ihren Vorstellungen einer Rolle als Frau in unserer Gesellschaft zu beschäftigen. Welche Rechte und Möglichkeiten haben Frauen in ihrem Heimatland – welche hier? Welche werden auch hier von ihrer familiären Umgebung eingeschränkt? Was können und wollen sie fordern?
2. Arbeitsgruppe „Meine Schwester – deine Schwester“
Eine reine Jungengruppe sollte sich mit ihrem Frauenbild beschäftigen. Dazu hatten wir ein eher anzügliches Coverfoto von einer Bon Prix-Zeitschrift gezeigt.
In dieser Arbeitsgruppe setzten sich die Jungens mit ihren Frauenbildern auseinander. Der Titel deutete darauf hin und so haben wir es auch eingeleitet: „Du möchtest, dass deine Schwestern Respekt entgegen gebracht wird.“ Und mit dem Verweis auf das Coverfoto: „Nimm an, das ist meine Schwester. Würdest du ihr auch mit Respekt entgegentreten?“ Das war für die Jugendlichen nicht leicht und es gab viele Diskussionen darum.
Wie stehen die Jugendlichen zur Gewalt? Sind sie bereit sich für die Rechte der Frauen einzusetzen – für deutsche und für Frauen ihrer Kultur? Gab es in ihrer Kindheit einen Helden, der gut war, Frauen schützte und sich für das Gute einsetzte? Können sie ihm nacheifern, auch in Deutschland mit seinen Freiheiten?
3. Arbeitsgruppe „Gastgeber“
Jugendliche versetzen sich mit die Rolle des Gastgebers auseinander. Was sind seine beinahe heiligen Pflichten in ihrer Heimat, die dem Gast die Tür öffnet und ihn willkommen hießt.
Ja, diese Pflichten wurden sofort auch benannt, zeitgleich brachten die Jugendlichen aber kulturübergreifend das Bild von Gäste zu Papier, die einfach nicht gehen wollen und die man nicht los wird, ohne das Gesicht zu verlieren.
4. Arbeitsgruppe „Gast“
In der anderen Arbeitsgruppe setzten sich die Jugendlichen mit der Rolle der Gäste auseinander. Wie soll sich ein Gast seinem Gastgeber gegenüber verhalten.
Respekt war ein wichtiger Begriff in dieser Runde. Einhellig wurde die Regel genannt, die Wünsche des Gastgebers zu respektieren und die Gastfreundschaft nicht auszunutzen.
Fazit der Arbeitsgruppen
Anschließend tauschten die Arbeitsgruppen ihre Erfahrungen aus. Die Mädchen waren viel selbstbewusster geworden, die Jungen hatten einige nachdenkliche Formulierungen.
Die Arbeitsgruppen „Frauenrechte“ und „Meine Schwester – deine Schwester“ tauschten ihre Vorstellungen aus und waren sich über die kulturellen Unterschiedlichkeiten einig: Es gilt, die Frauenrechte in der neuen Heimat zu übernehmen. Die Mädchen waren von der Herangehensweise begeistert und brachten ihre Wünsche deutlich und selbstbewusst vor. Aber es schien auch den Jungs deutlich geworden sein, dass sie die Mädchen respektieren müssen. Oft wurde gesagt, dass es in ihrer Heimat anders ist, dass sie es aber gut finden, dass es hier den gegenseitigen Respekt gibt.
Auch die beiden Arbeitsgruppen „Gastgeber“ und „Gast“ haben die Regeln, die einer guten Gastfreundschaft auf beiden Seiten zu beachten sind, notiert und sich Gedanken darüber gemacht. Sie sahen viele Parallelen zu dem Leben hier in Deutschland. Es gibt den Gastgeber und sie sind die Gäste. Bis, und das schien ein Wunsch vieler zu sein, sie selbst hier Gastgeber sind und Gäste annehmen können.
Plenum und Resolution
Leider war uns die Zeit davongelaufen und so konnten wir das Plenum und damit die Resolution nicht mehr entwickeln, bevor die Journalist:innen und Politiker:innen dazukamen. Die aber waren dann Zeuge eines Prozesses, den sie fast nicht glauben konnten.
Von den vier Arbeitsgruppen wurden die wichtigsten Kernsätze und Regeln, die die Jugendlichen erarbeitet hatten, auf dem Resolutionstransparent zusammengetragen.
- Frauen dürfen Politik machen
- Frauen dürfen jeden Beruf ausüben
- Frauen haben das Recht auf Bildung
- Gäste müssen sich respektvoll verhalten
- Gäste müssen freundlich sein
- Gäste müssen dankbar sein
- Gastgeber sollten nett sein
- Die Kommunikation zwischen Gastgeber und Gast muss stimmen
- Wir respektieren uns gegenseitig
- Wir unterstützen die Frauen
- Männer und Frauen sind höflich zueinander
- Gastgeber soll auf Wünsche eingehen
Es war eine fast feierliche Stimmung bei den Jugendlichen, als sie nach und nach ihre Resolution entstehen sahen, die sich an sie selbst ebenso wie an die Gesellschaft in Deutschland richtete.
Die JournalistInnen von Rheinischen Post und Neuer Rhein Zeitung schrieben intensiv mit und befragten anschließend die Jugendlichen, Lehrer:innen und Mitarbeiter:innen von FRIEDENSBAND.
Mitten unter den Jugendlichen saß auch die grüne Landtagsabgeordnete Karin Schmitt-Promny. Im Schlusswort wandte sie sich an die Jugendlichen und bedankte sich für das Bild, das sie mitnehmen wolle. Die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Jugendlichen den gesellschaftlichen Themen und ihrer eigenen Zukunft widmeten, habe einen großen Eindruck auf sie gemacht und sie sprach sich dafür aus, solche Projekte mit geflüchteten Jugendlichen weiterzuführen.

Medikamente für Dr. Ibrahim Foufana
Spendensammlung „Kleines Geld für große Not“
Seit Februar 2025 unterstützen wir Dr. Foufana regelmäßig mit kleinen Beträgen, damit er Medikamente kaufen kann.
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Zeitschrift und Flüchtlingsrat
Die Zeitschrift ID ASYL

1986 gründete Günter Haverkamp die Zeitschrift ID ASYL, die monatlich bis 1991 Informationen zum Thema Asyl und Ausländerfeindlichkeit veröffentlichte.
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1980 traf ich auf dem Neusser Markt auf einen Stand des Komitees gegen Ausländerfeindlichkeit. Eine Woche später war ich bei der nächsten Sitzung und lernte viel über Asyl und Ausländerfeindlichkeit.
ID ASYL 1/86 Obwohl sie vom Layout eine Zumutung war, ist sie mit Begeisterung aufgenommen worden, weil es einfach nichts gab. 50 Seiten Informationen. Das hieß damals, viermal je 3 Stunden in der Stadtbücherei Zeitungen lesen.

ID ASYL 2/86 Kein bisschen besser vom Layout, aber langsam kam Routine in die Arbeit. Wurde auch Zeit, weil ich ja hauptberuflich die Spedition aufrechterhalten musste. Das war manchmal knapp.

ID ASYL 3/86 Immerhin bekam diese Ausgabe schon ein Cover. Struktur ist ebenfalls langsam zu erkennen. Inzwischen wurden von vielen Seiten Artikel eingesandt. Das sparte Zeit und machte das Angebot vielfältiger.

ID ASYL 4/86 Die Ausgabe wurde von der immer heftigeren Diskussion geprägt. Der Innenminister reizte mich, eine Zeichnung zu wagen.

ID ASYL 5/86 – Das Deckbatt ist verloren gegangen. Das Heft konnte drei Monate nicht herauskommen, weil Urlaub und die Speditionsgeschäfte dazwischen kamen. Die Diskussion in Deutschland wird härter!

1986 Ein Konica A3-Kopierer arbeitet tapfer Monat für Monat die Zeitungsauflage ab – oft genug mit einer Pause, weil bei rd. 5000 Seiten das Gerät heißlief. Konica half und wir durften zwei Auflagen auf den Riesengeräten in der Hauptverwaltung drucken!

1988 Als die Auflage derZeitung stieg, kam das Angebot eines Mitarbeiters, ob wir die A.B.Dick-Druckmaschine der Japanischen Industrie- und Handelskammen haben wollten, genau richtig. Sie wurde uns geschenkt!

Mit der Druckerei TIAMAT verbindet uns zahlreiche Druckaktionen. Waren es zu Beginn bis 1988 großzügige Drucke von Flyern, begann danach ein wechselseitiges Arbeitsverhältnis. Wir lernten von TIAMAT drucken – sie halfen uns bei allen Problemen – wir durften ab und zu mal etwas drucken, was uns finanziell half.

1990 kam dann das Superangebot. Wir bekamen eine komplette Druckerei von der Deutschen Post geschenkt… mit dem Drucker, der in den letzten 30 Jahren für die Post gedruckt hatte.


1988 gründete sich der Verein PROJEKT ID ASYL e.V. mit dem wir Dokumentationen wie das Themenheft FRAUEN – FLUCHT erstellen und die Arbeit des gleichnamigen bundesweiten Kongresses fortführen konnten.
Materialheft FRAUEN – FLUCHT, pdf, 75 Seiten

1994 wurde ich von Klaus Bednarz beauftragt, die antifaschistische Nachrichtenagentur WIR zu gründen. Wir haben 2 Jahre lang alternative Nachrichten für verschiedene Medien erstellt.
Weitere Informationen
taz: Keine linke dpa
Der Flüchtlingsrat NRW

1991 waren wir ein halbes Jahr mit der Organisation des Protestlagers der 800 Roma am Landtag NRW beschäftigt.

1990 besetzten 600 Roma den Kölner Dom und starteten den Bettelmarsch. Wir unterstützten die Pressearbeit und die Unterbringung der inzwischen 1200 Menschen in Düsseldorf.

1992 konnten Myriam Thyes und Günter Haverkamp Bangladesh besuchen, drei Monate durch das Land reisen und einen Film drehen: „Die halbe Ernte“.

1980 gründete Günter Haverkamp mit einem Partner eine internationale Spedition in Neuss mit dem Schwerpunkt Iran. Im gleichen Jahr begann er mit dem Engagement zum Thema Ausländerfeindlichkeit.