Geld für Fantasien?

Alter:

 ab 10 Jahren

Themen:

 Eine Welt, Frieden, Klima, Politik

Atomfantasien

Die Atomlobby hatte in den 60er Jahren den Politiker*innen völlig den Kopf verdreht. Nicht nur, dass völlig unwirtschaftliche und gefährliche Atomkraftwerke gebaut wurden – es gab Träume von atomgetriebenen Autos und vieles mehr.

Atomträume

Die Fantasien der Erwachsenen Anfang der 1950er-Jahre sorgen heute für Kopfschütteln. Der Autobauer Ford stellte 1958 den „Nucleon“ vor, ein Modell, das mit einem Reaktor hinter den Sitzbänken eine Reichweite von bis zu 8000 Kilometern haben sollte – in Serie ging das Auto freilich nie. DLF

1959 wurde das Deutsche Atomforum gegründet und das entfaltete eine rege Lobbytätigkeit. Das war dringend nötig, denn der Bau des ersten amerikanischen Kernkraftwerkes hatte gezeigt, dass Atomkraftwerke doch sehr viel teurer und unrentabler waren, als man 1955 angenommen hatte. Der der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer schimpfte: „Diese verfluchte Atomgeschichte hat uns allen den Kopf verdreht.“ DLF


Atomlobby siegte 2010

Die neue CDU-Bundesregierung beeilte sich, den Atomausstieg der rot-grünen Regierung zurückzunehmen. Sie ließen sich von den schönen Versprechungen der Atomlobby verführen. Das war teuer für den Steuerzahler

Bild: Hochglanzprospekt der Atomlobby von 2005


Projekt Ja – Nein – Ja?

Wir gingen mit diesen Fakten in die Schule. Die Jugendlichen waren empört über so viel Dummheit der Politiker*innen. Nach intensiven Recherchen schrieben sie an die Bundeskanzlerin und verpackten ihre Botschaften in Überraschungseiern.

Bild: Friedensband

Marie-Curie Gymnasium Düsseldorf

Die Schüler*innen des Marie-Curie Gymnasiums Düsseldorf arbeiteten sich in das Denken der Erwachsenen in den 50er Jahren ein und konnten es einfach nicht fassen, dass dabei so gar keine Vernunft zu finden war.


Fukushima änderte alles

Wochen später änderte sich alles. Plötzlich wurde die Atomlobby ganz kleinlaut und alle Politiker*innen überboten sich in der Forderung, so schnell wie möglich auszusteigen. Das wurde teuer für den Steuerzahler.

Bild: New York Times


Fukushima änderte alles

Wochen später änderte sich alles. Plötzlich wurde die Atomlobby ganz kleinlaut und alle Politiker*innen überboten sich in der Forderung, so schnell wie möglich auszusteigen. Das wurde teuer für den Steuerzahler. Aber das Wort RESTRISIKO war plötzlich in aller Munde

Bild: Warnschild Atom

Das Projekt Restrisiko

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung NRW konnten wir mit Jugendlichen ein politisches Projekt durchführen, dass ihnen die Möglichkeit gab, das Handeln der Erwachsenen zu überprüfen.

Das Beispiel „Atomkraft“ lässt sich leicht auf andere Themen unserer Zeit übertragen.

Alles soll unter die Lupe genommen werden. Im Projekt „Restrisiko“ von 2011 haben wir feststellen können, dass die Jugendlichen auch hin und wieder nach dem Restrisiko eigener Entscheidungen fragten.

Hier beginnt das Projekt RESTRISIKO zu wirken. Jede Aussage wird kritisch beleuchtet.

Nichts soll sicher sein vor den strengen Augen der Jugendlichen, die nun alles auf den Prüfstand stellen.

Ablauf

In den 5 Klassen (Realschulen in Bergheim und Kerpen) gaben wir zunächst einen intensiven Input zum Thema Atomkraft und den Stationen, in denen Risiken und Kosten völlig außer Acht gelassen wurden.

Dann baten wir die Jugendlichen, in ihren Klassen je 5 Arbeitsgruppen zu bundespolitischen Handlungsfeldern zu gründen. Sie sollten

  1. eine steile These zur aktuellen Situation in dem gewählten Bereich wählen
  2. aus ihrem begrenzten Wissen ohne Hilfe von außen, diese These überprüfen
  3. für die nächste Stunde recherchieren und zusammentragen, was wichttig schien
  4. eine neue, abgesicherte These über die Situation aufstellen
  5. diese eigene These auf Restrisiken abklopfen

Zu all dem haben sie persönliche Portfolios angelegt und schließlich für ihren Vortrag in der Klasse und der Schule eine Mindmap mit den Erkenntnissen angelegt.

Restrisiko – Beginn des Pilotprojektes

8.11.2011 Realschule Kerpen, 6. Klasse: Zunächst konnten die Jugendlichen nicht viel mit dem Wort Restrisiko anfangen. Aber die Überleitung gelang durch die in den ersten 10 Minuten besprochene Situation der Kinder in Pakistan. Was ist das Risiko, wenn Kinder arbeiten müssen, wie ist ihre Zukunft? Dann war der Weg frei für die eigene Zukunft und die Risiken, die auf sie in Zukunft zukommen könnten durch falsche Weichenstellungen von Politik und Gesellschaft. Das Thema Atomausstieg hatten sie jedenfalls gut in Erinnerung, auch wie sich die Politik plötzlich änderte. Nächste Woche geht es weiter.

Restrisiko – Start in Bergheim

11.11.2011 Ein guter Tag, um von Risiken zu sprechen. In der Albert-Einstein-Realschule Bergheim ist es erst die Klasse 9b, die sich in den nächsten Wochen mit dem Thema Restrisiko beschäftigt. In der ersten Runde geht es um Risiken. Da sich die Klasse zuvor mit den Gefahren im Internet beschäftigt hat, kommt dieser Begriff als erstes. Dann folgt Sicherheit auf der Straße, Drogen, Radfahren… Dann werden Arbeitsgruppen gebildet und die Papierbahnen zurechtgeschnitten. Mit den dicken Filzstiften schreiben die SchülerInnen nun die Risikoformen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene auf. Sie beginnen, die ihnen nahestehenden Risiken auf die höhere Ebene zu stellen und schreiben diese Begriffe auf ihre Meinungswand – mit roten Filzschreibern. Im nächsten Schritt wählte jede Arbeitsgruppe ihr Thema, mit denen sie sich in der nächsten Stunde beschäftigen wollen. Sie wählten: Öffentliche Sicherheit, Drogenpolitik, Verschuldung, Gesundheitspolitik, Bildungspolitik. Sie werden im Internet recherchieren und dann die Restrisiken herausstellen, die von den Erwachsenen in ihrem Thema eingehen. (Günter Haverkamp)

Restrisiko-Projekt – Workshop in Kerpen

22.11.2011 – Die Jugendlichen der Klasse 6a/d der Kerpener Realschule waren begeistert von der Möglichkeit, die Risiken zu nennen und zu bewerten, die die Erwachsenen eingehen. Sie nannten viele verschliedene Situationen, die gefährlich sind und teils hohe Risiken mit sich bringen. Sie beschäftigten sich aber vor allem mit dem Klimawandel und den Ursachen. Es war spannend, wie sie das Auto bewerteten. Sie fanden, dass es doch möglich sein müsste, sparsamer mit dem Auto umzugehen. Aber auch die Wälder zu schützen und neue anzupflanzen um etwas für die Klimazukunft zu tun. Zwei übernahmen die Aufgabe, bis zum nächsten Mal die Klimasünder und die Verteilung ihrer Beteiligung zu recherchieren. Wir hatten da mal drei genannt, das Auto, die Kraftwerke und die Kühe. Alle haben für das nächste Mal die Aufgabe, Nachrichten zu hören oder zu sehen und sich dabei Notizen zu machen: Restrisiken in der täglichen Politik.

Restrisiko – im Gleichgewicht bleiben

29.11.2011 – Workshop in der 6a/d in der Realschule Kerpen. Gleich zu Beginn sagte ein Schüler den Kernsatz: Wichtig ist, seine Umwelt im Gleichgewicht zu halten. Darauf bauten wir dann auf. Die Schüler arbeiten zu zweit an den Bildern der Broschüre. Was ist auf den Bildern zu sehen, was sagen die Statements darunter aus, was ist der Hintergrund. Die Schüler konnten zwar einige Begriffe nicht zuordnen, waren aber gut informiert über die aktuelle Diskussion um Atomkraft und Endlager.

Restrisiko oder: wie werden wir verführt?

6.12.2011 Die Jugendlichen stellten vor, was sie inzwischen gemacht haben: Symbole, wie in vielen tausend Generationen aufmerksam gemacht werden könnte auf ein Endlager und eine Geschichte. Eigentlich sind es zwei Geschichten, einmal eine negative, die Menschen zerstören die Erde und eine positive, die Menschen haben es begriffen und leben im Einklang mit der Welt. Nun ging es im Workshop um die Verführung. Wie ist es möglich, dass wir Menschen uns so leicht etwas andrehen lassen? Über die Grundbedürfnisse arbeiteten wir uns vor zu Möglichkeiten des Handelns durch. Denn waren wir uns einig darin, dass es durchaus angenehm war, dass der Strom unbegrenzt 50 Jahre lang aus der Steckdose kam, können wir nicht mehr damit rechnen, dass wir so unbekümmert weiter machen können. Die Jugendlichen nahmen die Aufgabe mit, zu Hause nach Stromfressern zu suchen und die Eltern zu fragen, bei wem sie den Strom beziehen und welchen Tarif sie haben. (Günter Haverkamp)

Restrisiko – Klasse 9a Realschule Bergheim

11-12-10 Die Jugendlichen hatten sich zu Hause nach den Tarifen erkundigt. Da war allerdings bei der Mehrheit der SchülerInnen eine Sonderstellung zu bemerken: die Eltern arbeiten bei RWE und haben daher Sondertarife. Aber einzelne hatten doch mit den Eltern über das Problem gesprochen. Alle hatten sich aber mit dem Stromsparen beschäftigt. Einzelne hatten sogar das zu Hause das Abschalten von Stand-by-Geräten besprochen und wollen es auch selbst beherzigen. Dann begann die Arbeit am Risikobericht. Jede Arbeitsgruppe erarbeitete für ihren Bereich einen Teilbericht und wird dies in der nächsten Schulstunde fortsetzen.

Restrisiko – Die KLasse 9b Realschule Bergheim

10.12.2011 – Die SchülerInnen haben sich zwar auch mit den Tarifen der Eltern beschäftigt, aber auch hier sind die meisten Eltern bei RWE und haben somit Sondertarife. Einzelne sind aber bei Naturstrom und Yellow Strom. Die Jugendlichen begannen in ihren Arbeitsgruppen mit dem Risikobericht zu den Themen Drogenpolitik, Innere Sicherheit, Gesundheit und Bildung.

Restrisiko – die 9c Realschule Bergheim

10.12.2011 – Die Jugendlichen sind stolz darauf, dass sie mit ihren Plakaten eine Ausstellung im Foyer der Schule gestaltet haben. Darin haben sie auf die Endlichkeit von Öl, auf die Fehler der Energiepolitik, der Bildungs- und Drogenpolitik aufmerksam gemacht und den Problemen für zukünftige Generationen. Im Workshop haben sie über die Hintergründe diskutiert und über Möglichkeiten, die jeweilige Situaiton zu verändern. Schließlich haben sie mit viel Energie begonnen, den Risikobericht zu schreiben.

Restrisiko – die 6er entwerfen Aktionen

13.12.2011 – Die 6. Klasse der Realschule Kerpen hatte letzten Mittwoch einen Termin im Odysseum. Sie hatten dort nach einem Schatz gesucht – und ihn gefunden. Die Formel für eine gute Zukunft, so lautet dieser Schatz, liegt in deinem eigenen Verhalten. Sie waren so voller Elan, dass wir die Stimmung aufnehmen mussten. Sie waren sich einig, sie mussten etwas machen, auf sie kommt es an. Und so machten sie sich Gedanken darüber, wie sie selbst und wie andere aktiv werden können für eine energiesparsame Zukunft. Es waren ganz praktische Ideen und sie wollen selbst auch wirklich anfangen. Sehr kreativ wurden sie aber, als es darum ging, die Gesellschaft anzustoßen. So ein Energiespartag, an dem alle durch Informationen und Aktionen auf die Notwendigkeit des Energiesparens aufmerksam gemacht werden, ist schon eine gute Idee. Und auch die Wettbewerbe könnten einmal umgesetzt werden. Das wird dann das nächste Mal Thema sein.

Restrisiko – Workshop in der 9a in Bergheim

16.12.2011 – Im Abschlussworkshop wurde in den einzelnen Arbeitsgruppen Bilanz gezogen. Die Jugendlichen waren mit großer Ernsthaftigkeit dabei. Die zwei Arbeitsgruppen Atomausstieg und Drogenpolitik hatten die anderen stark beeindruckt. Beide hatten sehr sorgfältig recherchiert und die Risiken aufgelistet. Alle sagten, sie hätten in dem Projekt viel gelernt, vor allem aber eins: Überall auf Risiken zu achten und sie neu zu bewerten.

Schluss

Die Arbeitsgruppe Innere Sicherheit hatte sich so intensiv mit dem Thema beschäftigt, dass sie kaum aufhören konnten zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden. War es noch zu Beginn eine reine Polizeiangelegenheit, sie persönlich vor betrunkenen Kerlen und Anmache zu schützen, wurde später doch der Anspruch an die Gesellschaft stärker, die Augen aufzumachen und für sie da zu sein. Auch die Gruppe Verschuldung hatte sich in tiefe Diskussionen verstrickt und die Gruppe Drogenpolitik, die ebenfalls nicht in plumpen „Drogen-freigeben“-Slogans steckenblieb. Der Wunsch nach weiteren Projekten ähnlicher Art war deutlich spürbar.


Atomkraft-Renaissance

Genau 15 Jahre nach Fukushima hat die Atomlobby den Politiker*innen wieder den Kopf verdreht. Mit Steuergeldern werden wieder hochfliegende Träume gesponnen.

Argumente

Dürre ist gefährlich

Mehrere AKWs in Frankreich und der Schweiz sind wegen überhitzter Flüsse heruntergefahren. Die Betreiber fordern nun: weniger Klimaschutz, um Strom zu liefern. ZEIT, 25.07.2025


Teure Träume

Die sechs geplanten neuen Atomreaktoren in Frankreich werden voraussichtlich 40 Prozent teurer als ursprünglich vorgesehen. Das erste soll jetzt 2038 in Betrieb gehen. STERN, 18.12.2025

Spät und teuer

Frankreichs modernstes Kernkraftwerk ging mit zwölf Jahren Verspätung an Netz und ist katastrophal teuer geworden. Der französische Rechnungshof protestiert. Frankfurter Rundschau 23.01.2025


Ablauf der Aktion

Wir möchten Schulen und Jugendeinrichtungen die Möglichkeit bieten, sich mit dem Zukunftsthema zu beschäftigen und aktiv Einfluss zu nehmen.

1. Die Meinung der Anderen

Die Jugendlichen recherchieren, wie in ihrer Umgebung über das jeweilige Thema gedacht wird. Das kann die Straßenumfrage genauso sein, wie das, was ihnen in ihren sozialen Medien begegnet.


2. Was folgt daraus?

Dieses Wissen der Jugendlichen ist nicht nur für sie interessant. Die Expert*innen lernen dadurch und die Jugendlichen beeinflussen durchaus ihre Arbeit.


3. Expertise

Jetzt triffen die Expert*innen auf Jugendliche, die vorgebildet sind und Fragen haben. Es entsteht eine Lernsituation, die für beide Seiten interessant ist.


4. Umsetzung

Das Wissen der Jugendlichen sucht eine Zielgruppe, um es wirken zu lassen. Das können Personen aus Politik und Gesellschaft sein, praktisch ist aber auch, eine aktive Öffentlichkeitsarbeit.

Europaparlament darf nicht so mit unserem Geld umgehen!


Verantwortlich für den Inhalt

Günter Haverkamp
Aktion Weißes Friedensband e.V.
Himmelgeister Str. 107a
40225 Düsseldorf
www.friedensband.de
haverkamp@einmischen.jetzt

2003 rief Günter Haverkamp Kolleg*innen aus den Medien zu einer Aktion gegen den drohenden Irakkrieg zusammen. Es entstand das weiße Friedensband steht und damit eine aktionsgestützte Bildungsarbeit. Hunderte kleine und große Aktionen entwickelten wir seitdem mit Jugendlichen.

2024 erhielt Günter Haverkamp für seine Arbeit das Bundesverdienstkreuz.

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